Mittwoch, 10. Dezember 2008

Festa do Magosto

Mitte November haben wir in der Fakultät die Fiesta del Magosto (auf Galizisch Festa do Magosto) gefeiert und hatten natürlich viel Spaß.

Paloma und Ángel (die Ihr links im Bild sehen könnt) haben diese Fete, die nachmittags um 16.00 Uhr begann und bis in die Nacht dauerte (die letzten sollen in der Uni übernachtet haben), zusammen mit Ester, einer Studentin, die sich um studentische Interessen kümmert, organisiert. Und das haben sie ganz toll gemacht. Eigentlich sollte die Feier draußen stattfinden, aber wegen des schlechten Wetters musste sie in die Cafeteria verlegt werden.
Die Studenten des 5. Jahrgangs haben leckeres Essen für ein kleines Buffet vorbereitet, Ángel hat Kastanien gegrillt und wir haben gegessen, getrunken, geschwatzt und der Musik zugehört. Ein Gruppe hat keltische Musik gespielt und die galizischen Studenten haben auch immer wieder dazu getanzt. Wir Erasmus-Leute waren natürlich etwas neidisch, da nicht mithalten zu können. Wir mussten uns mit ein bisschen wippen und schunkeln oder so begnügen... Aber wir hatten auch unseren Spaß.

Ganz besonders hat mit die kleine Theateraufführung einiger Studenten aus einem meiner Literaturkurse gefallen. Es war zwar alles auf Galizisch, aber ich konnte trotzdem halbwegs folgen. Ester und Jessica und andere Studenten aus dem 5. Jahrgang haben die Geschichte des Queimada und den Queimada-Schwur auf die Bühne gebracht. Gaaaaanz tolle Stimmung.
Und anschließend hat Ángel Queimada ausgegeben, der total lecker, aber auch sehr stark ist, so dass man sehr schnell betüddelt ist. Das war ein ganz toller Abend voller galizischer Kultur.










Anschließend hatten Ana, Manoli und ich auch in der Bibliothek noch sehr viel Spaß, aber davon ein andermal mehr.

Sonntag, 7. Dezember 2008

Mein Freund Jonathan???

La gaviota Jonathan. Ist diese Möwe Jonathan? Wohl eher nicht. Weder ist das Jonathan, noch ist sie mein Freund. Es ist wohl eher ein Vertreter der Möwensippe.
Denn diese Möwe kommt besonders gerne sonntags und landet schwerfällig auf dem Dach gegenüber und watschelt dort stundenlang über die Dachziegel und schaut mir beim Arbeiten zu. Einmal hat sie es dann, wie Ihr sehen könnt, immerhin bis auf die Straßenlaterne, einen halben Meter weiter, geschafft und sich getraut, hin und wieder die Lampenfassung zu verlassen, wobei diese dann immer gefährliche Schwingungen zeigte. Und der Blick zu meinem geöffneten Balkonfenster, wenn sie dann in sich ruhte, war auf jeden Fall derselbe. Der war so anhaltend starr, dass ich irgendwann die Balkontür schließen musste und die Gardine besser auch noch zuzog. Es war mir einfach zu unheimlich...
Aber wer weiß, vielleicht ruht sie sich bei uns im Viertel ja nur von ihren Flugkünsten über dem Wasser aus?
Gerade für Vögel Schubladen aufmachen zu wollen, ist ein absurder Gedanke.
Jedenfalls ist heute wieder Sonntag und es ist nur eine Frage der Zeit, wann Jonathan wieder auf dem Hausdach gegenüber aufsetzt.
Habt Ihr das Buch über Jonathan und seine Suche nach Perfektion gelesen oder die Verfilmung gesehen? Ist ja schon ein Weilchen her.... Ich glaube, das war in den 70ern..... Vielleicht eine Geschenkidee???
Wenn Ihr vielleicht auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken mal nicht auf irgendeinen Redaktionstipp in den vielen Blättern, Blättchen und Magazinen zurückgreifen wollt, dann ist vielleicht Anas Literatur-Blog etwas. Sie hat dort ihr persönliches Bücherregal bestückt und die spanischen Titel kann man ja übertragen. (Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf solchen Büchern, die das Thema der Gewalt gegen Frauen behandeln.) Außerdem kann man die Buchexemplare anklicken und bekommt dann Informationen zu dem Buch. Wenn's Euch interessiert, dann klickt hier.
Ich wünsche Euch einen schönen 2. Advent und meinem kleinen Bruder eine schöne Geburtstagsfeier im Kreise seiner Lieben. (Ich esse in Gedanken eine Schwarzwälder-Kirsch-Torte mit!)

Samstag, 6. Dezember 2008

Día de la Constitución - Spanischer Nationalfeiertag

Während zuhause die Kleinen und Großen zum Nikolaustag verwöhnt werden, freuen wir uns hier über ein langes Feiertagswochenende. Heute und Montag sind Feiertage.
Heute wird der 30jährige Geburtstag der spanischen Verfassung gefeiert. Am 06. Dezember 1978 stimmte die spanische Bevölkerung der Verfassung (Constitución) in einem Referendum zu. Es ist also kein unbedeutender Feiertag! Ich habe mich mit meinem Timing bemüht, einen würdevollen Beitrag zu diesem wichtigen Tag beizusteuern: mit der Weiterarbeit an der (nun endlich) letzten Hausarbeit über ein trauriges Kapitel des spanischen Bürgerkriegs. Passt doch, oder?
In der spanischen Mittagszeit, so gegen 15.00 Uhr, hatte ich aber eine sehr nette Abwechselung: Iván hat zum Mittagessen ganz wunderbar gekocht. Es gab köstliche lentejas con chorizo. Das ist eine Art Eintopf mit Linsen, Kartoffeln, Möhren und eben chorizo, der typisch spanischen Paprikawurst, die sehr lecker ist. Iván hatte außerdem seinen Freund, eine weitere Freundin und Noelia, die an der Rezeption arbeitet, eingeladen. Noelia und Carmen hatten für postre, den Nachtisch, gesorgt und ich habe Kaffee und Wein, meinen geliebten Ribeira, beigesteuert. Das Essen war köstlich und Iván kann ganz wunderbar erzählen. Auch wenn ich immer noch nicht alle Details verstehen kann, aber immerhin habe ich jeden Witz mitgekriegt. Wir haben uns gekugelt vor Lachen. Ob es nun Karaoke-Reproduktionen, einfache Witze oder Erzählungen aus Katalonien war, es war nur witzig! Ich wünschte, ich könnte auch so toll erzählen!
Wenn ich nach Göttingen zurückkomme, probiere ich das Rezept auch mal aus und hole damit ein Stück Vigo nach Göttingen. Hier aber erst einmal ein visueller Eindruck. Läuft Euch das Wasser im Mund zusammen? (Linsen sind ja nicht jedermanns Geschmack...) Es ist zwar kein Festtagsgericht, aber genau das Richtige für ein gemütliches Essen in der Küche!

Seufz! Aber nun muss ich wohl erst mal wieder ein bisschen was schaffen. Hasta luego....

Vigo - (Nicht nur) Graue Stadt am Meer

Die meisten von Euch wissen ja, dass ich Husum sehr liebe. Die Storm-Stadt. Diese schöne Stadt, in der es immer nach Nordsee duftet. Vielleicht mochte ich Vigo deshalb ja auch von Anfang an so gerne, obwohl hier alles viel größer und vor allem viel lauter ist. (Und auch sonst gäbe es natürlich noch einige Unterschiede zwischen den Städten und ihren Menschen zu nennen...)

Obwohl wir viele (meistens) Sonnentage im September und Oktober hatten, ist das Vigueser Dunkelgrau an den Regentagen allerdings um so einprägsamer. Und dieser Nebel! Wenn sich der Nebel um die Unihänge hüllt, dann kommt selbst das künstliche Licht der Straßenlaternen nur ganz schwach und schummerig durch. Du würdest am liebsten Deine Hand und ein Messer zu Hilfe nehmen und Dir eine Bahn durch den dicken Nebel schneiden. Novembertage, Regentage und die Tristesse hält bislang im Dezember an...... wenn, ja wenn....

Vigo ist ja vor allem das Meer. Ein riesiger Hafen. Hafenpromenade in Reichweite. Kreuzfahrtschiffe. Möwengekreische. Sandstrände und die Inseln draußen in der Bucht, die den Blick auf das offene Meer verstellen. Es ist alles schön, weil es eben Vigo und damit einzigartig ist, finde ich.



Ich gehe gerne am Sonntag nachmittag zum Hafen runter und kann den Blick auf das graue Vigo im Trockenen bei einer schönen Tasse spanischen café richtig genießen,









aber dann geht mir eben auch das Herz auf, wenn ich die Strandpromenade weiter draußen in Samil entlang laufen kann. Selbst die ohrenbetäubende Beschallung mit Julio Iglesias u.a. aus einem der großen Cafés kann dem nichts anhaben.
Es ist einfach nur schön!

Freitag, 5. Dezember 2008

Nachrichten aus Vigo : Streik in der Uni


Da ich ja nun erst so spät mit dem Blog anfange, beginne ich mal mit etwas Aktuellem und arbeite dann meine Erlebnisse so nach und nach auf. Für alle diejenigen, die mehr von den Schönheiten Galiziens und Spaniens sehen wollen, kommen dann in den nächsten Tagen noch viele, viel schönere Bilder als die von heute. Versprochen!!! Jetzt geht's los!
Die Kamera richtet sich jetzt also zum ersten Mal auf den Ort, an dem ich am meisten wirke und in dem ich mich von Anfang an angekommen gefühlt habe ( Muchas gracias, Ana! Un besazo, guapa!) : die Uni, oder genauer gesagt, die Facultad de filología y traducción.



Die letzten beiden Wochen konnten wir durch die Uniflure nur stakeln, denn die Putzfrauen waren in Streik getreten. Auf den Bildern könnt Ihr sehen, zu welchen Mitteln die Putzfrauen und ihre Gewerkschaft gegriffen haben: Sie haben in allen Fluren der vier Gebäude der Fakultät den Müll ausgeschüttet und Papier verstreut, um ihre Forderung nach Lohnerhöhung durchzusetzen.
Als sich in der zweiten Hälfte der zweiten Streikwoche immer noch nichts tat, zogen alle Streikende durch das weitläufige Unigelände und schütteten auf ihrem Protestzug Laub, weiteren Müll und Pferdeäpfel in die Flure der unterschiedlichen Fakultätsgebäude. Die verkehrte Welt der verkehrten Müllfrauen....

Daraufhin haben wir Studenten zwei Tage den Unterricht bestreikt. Aber auch, weil es mittlerweile unmöglich geworden war, auf die Toiletten zu gehen. Und da man ja auf Grund der Entfernung der Uni zur Stadt hier immer lange, oft den ganzen Tag, aushalten muss, wurde es sehr unangenehm. Ich werde Euch aber die Details zur Toilettensituation ersparen. Auf den Bildern könnt Ihr nur die Ausschüttungen des ersten Streiktages sehen. Ich finde, dass die Putzfrauen ihre (ich glaube nur minimalen Forderungen nach Lohnerhöhung) sehr plastisch und eindrucksvoll untermauert haben. Das war vielleicht auch deshalb nötig, weil in Spanien Streikende keine Unterstützung von den Gewerkschaften erhalten, sondern ihren Lohnausfall in der Streikzeit selbst tragen müssen.
Ich weiß nicht, ob es Zufall ist oder ob der studentische Streik etwas bewirkt hat, aber auf jeden Fall haben Arbeitgeber und Gewerkschaften am Ende unseres zweitägigen Streiks eine Einigung erzielt.
Und nun können wir wieder über die gewienertenFlure gleiten....